K.O., TKO, RTD, DQ: Alle Kampfausgänge im Boxen

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Ein Boxkampf kann auf neun verschiedene Arten enden. Wer nur drei davon kennt, versteht den Wettschein nicht.

Knockout, technischer K.O., Aufgabe, Disqualifikation, Punktentscheidung in vier Varianten und No Contest bilden zusammen das Spektrum der möglichen Kampfausgänge im Profiboxen. Jeder dieser Ausgänge hat eigene Regeln, eigene Ursachen und vor allem eine eigene Zuordnung zu den Wettmärkten. Die Frage, ob ein TKO als K.O. auf dem Wettschein zählt oder ob eine Disqualifikation die Siegwette auslöst, entscheidet über Gewinn und Verlust und ist nicht bei jedem Buchmacher gleich geregelt.

Dieser Artikel erklärt jeden Kampfausgang im Detail und zeigt, wie die verschiedenen Enden auf dem Wettschein abgerechnet werden.

Knockout (K.O.): 10 Sekunden entscheiden

Der klassische Knockout ist der dramatischste Kampfausgang im Boxen. Ein Boxer geht durch einen Treffer zu Boden und schafft es nicht, innerhalb von zehn Sekunden wieder aufzustehen und kampfbereit zu sein (ABC Unified Rules of Boxing). Der Ringrichter zählt bis zehn, und wenn der am Boden liegende Boxer nicht rechtzeitig aufsteht oder auf die Anweisungen des Referees reagiert, ist der Kampf vorbei.

Zehn Sekunden. Mehr braucht es nicht.

In der Praxis geschieht ein reiner Knockout seltener, als die mediale Berichterstattung vermuten lässt. Die meisten vorzeitigen Kampfenden im Boxen sind technische K.O.s, keine klassischen Knockouts. Der Unterschied ist für den Zuschauer oft marginal, für den Wetter aber unter Umständen relevant: Manche Buchmacher unterscheiden in ihren Spezialmärkten zwischen K.O. und TKO, die Mehrheit fasst beide jedoch unter dem gemeinsamen Label K.O./TKO zusammen. Wer auf Sondermärkte wettet, die zwischen den beiden Varianten differenzieren, muss die Definitionen des jeweiligen Anbieters genau kennen.

Technischer K.O.: Ringrichter bricht ab

Der technische Knockout ist der häufigste Weg, auf dem ein Boxkampf vorzeitig endet. Im Gegensatz zum klassischen K.O. geht der Boxer nicht zu Boden und wird ausgezählt, stattdessen entscheidet der Ringrichter, dass ein Boxer nicht mehr in der Lage ist, sich angemessen zu verteidigen, und bricht den Kampf ab. Die Gründe variieren: zu viele unbeantwortete Treffer, eine Schnittwunde, die das Sehen beeinträchtigt, oder körperliche Erschöpfung, die eine sinnvolle Verteidigung unmöglich macht.

Auch der Ringarzt kann den Kampf stoppen. Wenn eine Verletzung, typischerweise ein Cut über dem Auge, so schwer ist, dass eine Fortführung des Kampfes die Gesundheit des Boxers gefährden würde, fordert der Arzt den Abbruch. Dieses Ende wird je nach Zeitpunkt und Verursachung als TKO oder als technische Entscheidung gewertet, eine Unterscheidung, die für Method-of-Victory-Wetten entscheidend sein kann.

Zusätzlich gibt es den Drei-Niederschläge-TKO, der in einigen lokalen Regelwerken gilt: Wenn ein Boxer in einer einzelnen Runde dreimal zu Boden geht, stoppt der Ringrichter automatisch den Kampf, unabhängig vom Zustand des Boxers nach dem dritten Niederschlag. In den ABC Unified Rules of Boxing, dem in den USA am weitesten verbreiteten Regelwerk, ist diese Regel jedoch ausdrücklich nicht in Kraft.

Aufgabe in der Ecke (RTD)

RTD steht für Retired, die Aufgabe eines Boxers zwischen den Runden durch sein Eckenteam oder auf eigenen Wunsch. Der Unterschied zum TKO: Der Kampf wird nicht während einer laufenden Runde gestoppt, sondern in der Rundenpause, wenn der Boxer auf seinem Hocker sitzt.

Die Gründe für eine Aufgabe sind vielfältig. Verletzungen, die eine Fortführung unmöglich machen, körperliche Erschöpfung nach zu vielen verlorenen Runden, oder die strategische Entscheidung des Trainers, seinen Boxer vor weiterem Schaden zu schützen, wenn der Kampf auf den Scorecards bereits verloren ist. Für den Wettmarkt zählt ein RTD in der Regel als TKO. Die Rundenzuordnung ist allerdings nicht einheitlich geregelt: Bei den meisten Buchmachern und auf offiziellen Rekordseiten wie BoxRec wird ein RTD der letzten vollendeten Runde zugeordnet, das heißt, gibt ein Boxer nach Runde acht auf, wird der Kampf als TKO in Runde acht gewertet (Dabble Boxing Rules). Einzelne Anbieter können jedoch abweichend zuordnen, weshalb vor jeder Rundenwette die Abrechnungsregeln des jeweiligen Buchmachers geprüft werden sollten.

Diese Zuordnung ist für Rundenwetten direkt relevant und eine häufige Quelle für Verwirrung unter Wettern.

Disqualifikation und No Contest

Eine Disqualifikation beendet den Kampf durch Regelverstöße. Wiederholtes Kopfstoßen, tiefe Schläge, Beißen oder andere Fouls führen zu Punktabzügen, und bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen kann der Ringrichter einen Boxer disqualifizieren. Der Gegner wird in diesem Fall zum Sieger erklärt.

Für den Wettmarkt ist die DQ ein Sonderfall. Die Siegwette wird bei den meisten Buchmachern bei einer Disqualifikation normal abgerechnet: Wer auf den Sieger gewettet hat, gewinnt, unabhängig davon, wie der Sieg zustande kam. Bei Method-of-Victory-Wetten hängt es vom Anbieter ab, ob DQ als eigene Kategorie geführt wird oder unter K.O./TKO fällt. Manche Buchmacher listen DQ explizit als Sonderkategorie, andere nicht.

No Contest ist der seltenste aller Kampfausgänge. Er tritt ein, wenn ein Kampf durch äußere Umstände oder unverschuldete Verletzungen abgebrochen wird, bevor genügend Runden für eine technische Entscheidung absolviert wurden. Nach den ABC Unified Rules erfordert eine technische Entscheidung mindestens vier vollständige Runden; wird der Kampf vorher abgebrochen, wird er als No Contest gewertet. Das bedeutet: Kein Sieger, keine Niederlage, und alle Wetten werden in der Regel storniert und die Einsätze zurückerstattet.

Zuordnung zu Wettmärkten

Die Vielfalt der Kampfausgänge wird auf dem Wettschein zu einer überschaubaren Anzahl von Kategorien verdichtet, aber die Zuordnung ist nicht immer intuitiv.

Bei der Siegwette ist die Zuordnung einfach: K.O., TKO, RTD, DQ und alle vier Formen der Punktentscheidung zählen als Sieg. Wer auf Boxer A gesetzt hat und Boxer A gewinnt, gewinnt die Wette, egal wie der Sieg zustande kam. Nur bei No Contest wird die Wette storniert.

Bei Method-of-Victory-Wetten wird es komplexer. Die gängigste Aufteilung ist: K.O./TKO/DQ als eine Kategorie, Punktentscheidung als andere. Manche Anbieter differenzieren weiter und trennen K.O./TKO von DQ, oder bieten separate Kategorien für jede Entscheidungsform an. Die Faustregel lautet: Vor der Wettabgabe die spezifischen Regeln des Anbieters prüfen, denn ein TKO durch Ringabbruch und ein klassischer Knockout fallen zwar bei den meisten Anbietern in dieselbe Kategorie, aber nicht bei allen.

Bei Rundenwetten bestimmt der Zeitpunkt des Kampfendes die Zuordnung. Ein K.O. in Runde fünf zählt als Runde fünf. Ein RTD nach Runde fünf wird bei den meisten Anbietern ebenfalls als Runde fünf gewertet, weil es die letzte vollendete Runde ist. Da einzelne Buchmacher abweichende Zuordnungen verwenden können, sollte vor jeder Rundenwette die jeweilige Regelung geprüft werden. Dieses Detail ist eine häufige Quelle für Verwirrung unter Wettern.

Über/Unter-Wetten auf die Rundenzahl verwenden ebenfalls die offizielle Rundenzuordnung. Die halbe Runde in der Linie, etwa 9.5, dient als Trennlinie: Endet der Kampf in Runde neun oder früher, gewinnt Unter, endet er nach Runde zehn oder geht die volle Distanz, gewinnt Über.

Neun Enden — ein Wettschein

Die Vielfalt der Kampfausgänge im Boxen ist für Wetter Chance und Risiko zugleich. Wer die Definitionen kennt, die Zuordnung zu den Wettmärkten versteht und vor jeder Wette die spezifischen Regeln des Anbieters prüft, vermeidet die typischen Abrechnungsfallen, die unerfahrene Wetter überraschen. Jeder Kampf kann auf neun Arten enden, aber auf dem Wettschein zählt nur, ob die eigene Kategorie zutrifft.

Wer die Regeln kennt, bevor der Gong ertönt, hat einen Vorsprung vor denen, die sie erst nach der Abrechnung lernen.